DUB UNTERNEHMER-Akademie: Wie definieren Sie persönlich Innovation?

Scholderer: Innovationen sind für mich Konzepte oder Produkte, die mein Verhalten im positiven Sinne verändern oder meinen Blick auf die Welt erweitern.

DUB UNTERNEHMER-Akademie: Muss eine Innovation immer disruptiven Charakter haben oder können auch graduelle Veränderungen innovativen Charakter haben?

Scholderer: Disruptive Innovationen wie z.B. das Smartphone begeistern durch eine neuartige Kombination von bestehenden Elementen in einer nicht gekannten Weise.

Graduelle Veränderungen bei Produkten tragen m. E. seltener die Innovation in sich, da Kunden eine Weiterentwicklung erwarten (z.B. 5 statt 3 Rasierklingen). In einigen Fällen ist diese Weiterentwicklung jedoch unerwartet und kann dann einen innovativen Charakter haben.

DUB UNTERNEHMER-Akademie: Was zeichnet das Innovationsmanagement in Ihrem Unternehmen aus?

Scholderer: In unserem Unternehmen, das sich mit IT beschäftigt, ist Innovation das tägliche Brot. Dadurch, dass wir uns von Berufswegen immer wieder auf neue Technologien einstellen müssen, ist eine Offenheit gegeben, die bei innovativen Vorschlägen zu wertvollen Diskussionen führt. Die Ergebnisse werden dann in die Produkte aufgenommen.

DUB UNTERNEHMER-Akademie: Und welche Rolle spielt bei Ihnen der CEO im Innovationsprozess?

Scholderer: Der CEO nimmt ausgewogen zwei Rollen ein. Zum einen nimmt er die Innovationen der Teamkollegen auf und sorgt für eine zügige Umsetzung.

In der zweiten Rolle ist er ein Inspirationsgeber, um den Unternehmenskurs so zu steuern, dass das Unternehmen auch in schwierigen Zeiten immer mehrere Möglichkeiten zur Weiterentwicklung hat.

DUB UNTERNEHMER-Akademie: Welchen Einfluss hatte die Corona-Krise auf die Kreativität und den Willen, etwas Neues zu schaffen, in Ihrem Unternehmen?

Scholderer: Unser Unternehmen hat in der Pandemie viel neues geschaffen. Von smarten Businesskonzepten wie productized services, veränderten Arbeitsmethoden, virtuellen Kaffeepausen, neuartigen virtuellen Schulungen hin zu Avatar-gestützten Kongressen bis zum 3D Unternehmens.Campus. Jede Einschränkung, die durch Corona entstanden ist, wurde fast parallel mit kreativen Ideen begleitet.

DUB UNTERNEHMER-Akademie: Von der unternehmensinternen Entwicklungsabteilung bis hin zur Kooperation mit Start-ups oder auch Hochschulen: Woher weiß ich als Unternehmer, welcher Weg für mich der Beste ist, um innovative Ideen hervorzubringen?

Scholderer: Ein sehr guter Weg ist es im Unternehmen die Ideen und Talente der Mitarbeiter respektvoll zu behandeln. Dies fördert das Innovationsklima nachhaltiger, als äußerlich bzw. künstlich gesetzte Rahmen wie Start-up-Denken oder Innovationstage es vermögen. Ein beständiges und verselbständigtes Nachhalten, wie etwas besser oder innovativer ist, bereitet den optimalen Nährboden. Start-ups und Hochschulen wohnt dieser Spirit aufgrund ihrer Form inne. Als Unternehmer gilt es auf diesen Spirit zu achten und ihn im Unternehmen lebendig zu halten.

DUB UNTERNEHMER-Akademie: Warum und wie ist die von Ihnen eingereichte Innovation entstanden?

Scholderer: Im Rahmen der Coronapandemie konnten viele Kongresse nicht stattfinden. Aus diesem Grund mussten wir unseren internationalen Kongress entweder absagen oder ihn neu erschaffen. Die Idee einen Kongress mit 2D Websites abzuhalten wurde verworfen, da dies viele machen und entsprechend langweilig für die Besucher ist. An die Stelle trat der 3D Kongress mit virtuellen Avataren. Der Schritt vom 3D Kongress zum 3D Unternehmens.Campus war dann nicht mehr weit. Es gab jedoch noch einen Zwischenschritt. Wir beschlossen unsere Schulungsaktivitäten von physischen Schulungen auf virtuelle Schulungen zu übertragen. Ein 3D Lernobjekt, welches in unserem Fall ein Rechenzentrum ist, wurde fokussiert. Beim digitalen Bau des Rechenzentrums entstand dann der Gedanke einer gesamten Lernumgebung und in der logischen Folge der Unternehmens.Campus.

DUB UNTERNEHMER-Akademie: Was zeichnet diese Innovation aus?

Scholderer: 1. Kundenbindung: Unternehmen können die zwei zentralen Kundenaspekte Vertrauen und Erlebnis bestmöglich kombinieren. Wenn der Kunde vertraut und auch ein positives Erlebnis hat, dann kauft er gerne ein. Für das Vertrauen werden oft Statussymbole oder auch Zertifikate verwendet. Beim Erlebnis ist dies vielschichtiger und hängt sehr von den Angeboten ab. In Zeiten von Corona in denen massiv mehr Zeit vor dem Computer aufgebracht werden muss, wird das Erlebnis immer wichtiger. Da man viele Einrichtungen und Unternehmen ebenfalls nicht mehr besucht, kann man den Status eines Unternehmens neu am Unternehmens.Campus ablesen.

2. Repräsentation: Der Unternehmens.Campus ist ein komplett in 3D modelliertes Gelände mit virtuellen begehbaren Gebäuden. Unternehmen können Kunden neu für die eigenen Produkte begeistern. Gebäude repräsentieren die Geschäftsfelder. Produkte werden auf 3D Messeständen angeboten. In den Gebäuden werden dann die Informationen in einem räumlichen Kontext dargestellt und der Benutzer erfährt ein echtes Erlebnis.

3. Prozessvereinfachung: Komplexe Sachverhalte oder Arbeitsabläufe lassen sich spielerisch abbilden und eintrainieren wie z.B. ein Onboarding ins Unternehmen

4. Lernumgebung: Man stelle sich einen Uni-Campus vor. Darauf sind Gebäude für Mensa (mit link zum Lieferservice), Vorlesungsräume, Bibliothek (mit virtuellen Büchern), Events (eigene virtuelle Bühne mit livemusik) etc. vorhanden

5. Wissensvermittlung: Spielerische Einprägung von Wissen oder auch von Marken (z.B. Branding)

6. Neue Werbeformen: Merchandising in virtuellen Welten (z.B. Küchen von Fa. xyz, etc.)

7. Entdeckungen: Benutzer entdecken Wissen, Produkte, Verfahren, Konzepte etc. neu in ungekannten Welten, die im Realen nicht finanzierbar wären.

8. Werbefreiheit: Es lässt sich ein Campus erstellen, der Spam- und werbefrei ist, welches z.B. für Schulen als Novum zählt.