DUB UNTERNEHMER-Akademie: Wie definieren Sie persönlich Innovation? Muss eine Innovation immer disruptiven Charakter haben oder können auch graduelle Veränderungen innovativen Charakter haben?

Suermann: Innovation bedeutet für uns, gängige Prozesse und Verhaltensweisen zu hinterfragen und Alternativen zu entwickeln.

Innovation kann auch durch kleine Veränderungen entstehen, in dem nur ein Teil eines Prozesses geändert wird, welcher einen großen Mehrwert liefert. Meist liegt Innovation so nah, dass man sie nicht erkennt, wenn man tief in gängigen Prozessen und Verhaltensmustern verwurzelt ist.

Wirkliche Innovation bedeutet für uns jedoch immer einen Mehrwert für die Umwelt und die Gesellschaft und nie nur für vereinzelte Individuen. Innovation ist das falsche Wort, wenn es zu einer Verschlechterung der breiten Gesellschaft oder zu Lasten der Umwelt geht.

So gehört für uns nicht noch ein Zertifikatehandel zu einer Verbesserung, sondern eine wirkliche, reale, authentische und transparente Lösung zu echter Innovation.

DUB UNTERNEHMER-Akademie: Was zeichnet das Innovationsmanagement in Ihrem Unternehmen aus? Und welche Rolle spielt bei Ihnen der CEO im Innovationsprozess?

Suermann: Wir sind ein kleines Team und folgen keinem Prozess. Wir halten stetig unsere Augen und Ohren offen, sind an neuen Dingen interessiert und können gut kombinieren. Wie in diesem Fall, wie analoges und digitales Erlebnis in einer Box funktionieren kann.

Für Innovationen sind alle in unserem Team offen. Es wird abgewägt, welche Ideen wirklich innovativen Charakter haben und auch Aussicht auf Erfolg. Es muss ja einen Markt geben, einen Bedarf oder zumindest muss spürbar sein, wenn es noch keinen Markt gibt, dass dieser geschaffen werden kann.

Wir als Team, aber auch ich als Gründer, sind bereit, ganze Märkte zu verändern. So haben wir den Anspruch, nicht nur für uns selbst innovativ zu sein, sondern gesamtheitlich (gesellschaftlich oder auch marktwirtschaftlich) Dinge zu verändern.

DUB UNTERNEHMER-Akademie: Welchen Einfluss hatte die Corona-Krise auf die Kreativität und den Willen, etwas Neues zu schaffen, in Ihrem Unternehmen?

Suermann: Die Krise ist in der Messe- und Eventbranche zuallererst spürbar gewesen und hat von jetzt auf gleich jegliche Geschäftsgrundlagen zunichte gemacht. Uns war schnell klar, dass wir nicht nur ein paar Monate auf Besserung warten dürfen, sondern dass wir einer grundlegenden Veränderung gegenüberstehen, so dass unser Geschäftsmodell keine Zukunft mehr hat.

Die Krise hat uns gefordert gesamtheitlich umzudenken und war somit für uns ein positiver Faktor, um uns auf unsere Kreativität und unseren Willen zu verlassen und grundlegend Neues zu wagen. Unser gesamtes Businessmodell haben wir überdacht und arbeiten seit längerem an diversen neuen Angeboten und bringen diese neben der StageBox+ zeitnah auf den Markt.

DUB UNTERNEHMER-Akademie: Von der unternehmensinternen Entwicklungsabteilung bis hin zur Kooperation mit Start-ups oder auch Hochschulen: Woher weiß ich als Unternehmer, welcher Weg für mich der Beste ist, um innovative Ideen hervorzubringen?

Suermann: Ich würde behaupten, es gibt nicht einen Weg, um innovative Ideen hervorzubringen. Es braucht Menschen mit Mut, Innovationsgeist, Freiheit und Offenheit, Neues auszuprobieren und über den Tellerrand schauen zu wollen.

Sobald eine neue Idee auf dem Tisch liegt, sollte man prüfen, ob sie ein Problem der Gesellschaft oder Umwelt löst. Auch wenn es „noch“ keinen Markt dafür gibt, sollte die Idee in diesem Fall weiter verfolgt werden. Die wirklich innovativen Ideen schaffen neue Märkte und schrecken nicht davor zurück, wenn augenscheinlich schon ein anderes Unternehmen in einem sehr ähnlichen Markt aktiv ist.

DUB UNTERNEHMER-Akademie: Warum und wie ist die von Ihnen eingereichte Innovation entstanden? Was zeichnet diese Innovation aus?

Suermann: Ein Geistesblitz könnte man sagen, hat die Idee entstehen lassen. Oder auch: Ich weiß es nicht mehr. Die AR Technologie wird seit geraumer Zeit bereits auf Messen und anderen Bereichen eingesetzt. Aber bisher überwiegend in nur einer Art: Produkte in einen Raum zu projizieren.

Im Erlebnis-Marketing wird selten in einer Form damit gearbeitet, dass AR ein Produkt um weitere Inhalte erweitert. Und schon gar nicht wird insbesondere im Messebereich das Erlebnis individueller und anders gedacht. Meist kommen Menschen zu Messen, da sie es nicht anders kennen. Aussteller gehen auf Messen, da sie glauben, dass ihre Kunden nur auf Messen zu finden sind.

Das Erlebnis auf Messen oder auch auf Events ist aber immer für eine breite Masse, somit fast nie individuell. Die Individualität entsteht im persönlichen Gespräch. Und wenn das persönliche Gespräch das einzig Individuelle ist, dann war uns direkt klar, dass die Pandemie zu einem Umdenken führt, welches auch langfristig nicht mehr aufzuhalten ist. Das persönliche Gespräch findet auch jetzt noch statt. Entweder zwischen dem Aussendienst / Vertrieb und Kunde direkt oder über Videokonferenzen.

Wir wollten diese persönliche Gespräche durch eine ganz besondere Aufmerksamkeit und ein analoges Erlebnis erweitern. Und wir sind der Meinung, dass diese Form des Vertriebsgespräches in Zukunft noch viel wichtiger werden wird als ein „schneller“ Termin auf einer Messe.